Hotel&Reportage

Grand Spa Resort A-Rosa Sylt
 
Neue Sterne auf der Insel
 
Auf Sylt fehlt es an nichts. Knapp sind nur die Gästebetten. 50.000 gibt es, und die sind regelmäßig belegt. Wer Quartier sucht, etwa an Wochenenden mit Brückentagen, der sollte sich ein Jahr im Voraus bemühen. Die Anziehungskraft der Insel ist ungebrochen. Seit Mai gibt es ein neues Zugpferd auf Sylt: das „Grand Spa Resort A-Rosa“ ist mit 177 Zimmern an den Markt gegangen.
Sylt gilt als abgehoben und versnobbt, die Gäste sind traditionell kritisch. Wer sich also auf der Insel bemerkbar machen will, der muss das Besondere bieten – und das in einer herausragenden Qualität. Mit dem „Grand Spa Resort A-Rosa“ schafft die Deutsche Seereederei, zu der die A-Rosa Resort Management GmbH als Tochterunternehmen zählt, ein neues Highlight. In List im Norden der Insel hat sich das Unternehmen ein Ufergrundstück gesichert. Ein Glücksfall, denn Grundstücke sind selten auf der Insel – zumal jene, die, touristisch vermarktet werden dürfen. Ein Glücksfall ist es aber auch für List, die nördlichste Gemeinde Deutschlands. Schließlich sorgt das neue Luxushotel für 200 Arbeitsplätze und auch dafür, dass die Kurabgaben und letztlich auch die Selbstständigkeit Lists auf Dauer gesichert sind. Das neue Luxushotel ist im Mai eröffnet worden.
65 Millionen haben die Investoren in das neue Hotel gesteckt, das Grundstück – über dessen Wert diskret geschwiegen wird – nicht inbegriffen. Zwei Jahre wurden im 35.000 Quadratmeter großen Areal gearbeitet, um dort – wo zuvor ein betagtes Kurhaus stand – etwas völlig Neues zu erstellen. Entstanden ist ein streng gegliederter, aber schmuckloser Baukörper.

Luxushotel statt Kurhaus

Entwickelt wurde das Bauwerk vom Lübecker Architekturbüro Helmut Riemann. Zwei Gebäude-flügel wenden sich dem Meer hin und sorgen dafür, dass die meisten der 147 Zimmer und 30 Suiten Blick auf das Wasser haben. So schön der Blick auf das Wattenmeer und auf die dänische Küste ist – wer ein Zimmer auf der Erschließungsseite erwischt, der blickt auf den Parkplatz, auf architektonisch nicht besonders gelungene Nachbarhäuser und auf die Gebäude der ehemaligen Marineversorgungsschule der Bundeswehr, die es seit zwei Jahren nicht mehr gibt. Mit einem Internat soll hier neues Leben einziehen.
Wer an Sylt denkt, der hat gewöhnlich den Mittelteil mit Kampen im Sinn mit seinen manchmal prominenten Gäste und der legendären Whisky-Meile. Der Standort des neuen A-Rosa liegt ein wenig abgelegen ganz im Norden der Insel und am Wattenmeer. Das muss aber kein Nachteil sein. Wunderbare Ruhe gibt es hier und viel Natur – und ein Angebot, das seinesgleichen sucht. Beispielsweise ein 25 Meter langes Schwimmbecken im Spa-Bereich, das keinen Vergleich zu scheuen braucht. Die Länge ist für einen Hotelpool beachtlich, und auch der Inhalt ist bemerkenswert. Es ist Salzwasser der Nordsee, das über eine 300 Meter lange Pipeline aus dem Meer geholt wird.

Beauty-Abteilung für Verwöhnte

Großzügige Liegeflächen auf zwei Etagen sowie Sonnenterrassen laden ein zum süßen Nichtstun. Und wer ein bisschen Abwechslung sucht, der findet auf insgesamt 3.500 Quadratmetern weitere Wellness-Angebote für jeden Geschmack. Darunter sechs Themensaunen unterschiedlichster Ausrichtung. Herausragend ist eine großzügige Panoramasauna, die den Blick auf Dünen und Himmel freilegt. Hier lässt es sich schwitzend beobachten, wie das Sylter Wetter seine Kapriolen schlägt, wie der Wind mit den Wolken spielt. Eine Vital-Bar mit Terrasse rundet das perfekte Spa-Angebot mit leichten Gerichten ab; das Foodkonzept wurde speziell von einem Ökotrophologen zusammengestellt. Es schmeckt und gibt zudem das gute Gefühl, mit sich und seinem Körper im Einklang zu sein.
 
  Das „Grand Spa Resort A-Rosa“ ist ein exklusiver Rückzugsort im Norden der Insel Sylt. Die meisten der 177 Zimmer und Suiten bieten Meerblick.
 

Wer bei seiner Figur dennoch Defizite erkennt, dem sei ein Besuch im Fitnessraum angeraten mit modernen Geräten. Bequemer und auf jeden Fall sehr viel angenehmer ist ein Treatment in einem der 18 Behandlungsräume im SPA-Rosa, der exquisiten Beauty-Abteilung. Bei Meerblick und Anwendungen aus dem Original-Thalasso-Programm purzeln die Pfunde – man fühlt sich zumindest so. Wahlweise dürfen es auch Ayurveda, Beauty- und Bodytreatments mit exklusiven Produkten von Clarins und Thalgo sein. Die Wohlfühlexperten, so die offizielle Bezeichnung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Spa-Bereich, sind durchweg gut ausgebildet und verstehen ihr Handwerk. Hier werden täglich Dutzende von Anwendungen verkauft und dabei richtig Umsatz gemacht.
Bei Preisen von um die zwei Euro pro Minute ist das Angebot nicht günstig, aber seinen Preis wert. Auch die Herren stehen im Fokus des SPA-Rosa, denn „Männer sind genauso verwöhnbedürftig wie Frauen“, sagt Direktor Frank Nagel. Der Direktor spricht dabei viel von Authenzität und noch mehr von Nachhaltigkeit.
Nachhaltigkeit lässt das Haus indes vermissen, wenn es um die Energietechnik geht. Das ist kein Vorwurf an den Direktor, vielmehr an Investoren und Planer. Auf die Nutzung solarer Energieträger wird ebenso verzichtet wie auf Geothermie.

Konventionelle Energietechnik

Nur einen Steinwurf entfernt wird vorgemacht, wie es geht: In einem sehenswerten Museum in List wurde ganz bewusst auf diese Techniken gesetzt – trotz eines engen Budgets. Das 2009 eröffnete Erlebniszentrum Naturgewalten holt mit acht Erdsonden Energie aus dem Boden und pflückt Sonnenenergie – ein Musterbeispiel für den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Eine Chance, die im Luxushotel nicht genutzt wurde. Immerhin: zur Schonung wertvoller Wasserressourcen wird Grauwasser aus Duschen und Badewannen aufbereitet und für 230 WCs und 20 Urinale zur Verfügung genutzt. Das Hotel setzt dabei auf das System Aqua-Cycle 13500 der Hansgrohe-Marke Pontos.
Bei der „Software“ hat das „Grand Spa Resort A-Rosa“ ein überzeugendes Programm zusammengestellt. Der Hotelchef hat eine Mannschaft um sich geschart, die das verwöhnte Sylt-Klientel perfekt umsorgt. Und gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind wichtig, um den Qualitätsstandard auf Dauer zu halten. Aufgabe des Arbeitgebers muss es so auch sein, die Beschäftigten langfristig zu binden. Sylt ist längst eine Ganzjahres-Destination geworden. Deshalb ist für den Direktor klar: „Ich brauche sie nicht nur fünf oder sechs Monate“. Den Erfolg von Traube-Tonbach oder Bareis führt der Sylter Hotel-Direktor, der zugleich als Generalbevollmächtigter für den Bereich Operations bei der Arosa Management GmbH für alle Resorts zuständig ist, auch auf die lange Treue des Personals zurück. Solche Betriebe sind Vorbilder für Frank Nagel; auch er möchte seine Angestellten möglichst lange halten. Ein schwieriges Unterfangen auf Sylt, denn Wohnraum ist knapp und teuer und eigentlich für einen Hotelangestellten kaum erschwinglich. Einen Weg fand der Arbeitgeber A-Rosa durch den Bau von 100 Wohnungen, die den Betriebs-angehörigen zu Vorzugsbedingungen vermietet werden.

Neues Angebot für Sylt

Ein anderes wichtiges Puzzleteil ist der Tagungsbereich des Hotels, Vergleichbares gibt es auf der Insel nicht. 700 Quadratmeter sind im Fünf-Sterne-Superior-Hotel für Events und Bankette reserviert. Der große Ballsaal mit Wintergarten-Foyer eignet sich für Tagungen und Präsentationen, aber auch für Familienfeiern und exklusive Feste. Außerdem sind vier unterschiedlich große Event-Räume verfügbar, von denen zwei Zugang zu einer 60 Quadratmeter großen Dachterrasse haben. Wer für seine Veranstaltung etwas Besonderes buchen möchte, kann zusätzlich auf die gesamte Poollandschaft zurückgreifen – inklusive Empore sowie Innen- und Außenpool und Vital-Bar.

Junge Wilde in der Küche

Auch hinsichtlich der Restauration wurde nichts dem Zufall überlassen. Neben der Bar, der Davidoff Cigar Lounge und der Vital-Bar gibt es drei Speiserestaurants, die mit einer klaren Positionierung Hausgäste, aber auch andere Urlauber sowie Insulaner ins Haus locken sollen. Am weitesten geht diese Differenzierung im Restaurant „Spices“, das mit authentischen Gerichten die Vielfalt asiatischer Aromen widerspiegelt. Am zentralen Sushi-Cube werden frische Sushi-, Maki- und Nigiri-Spezialitäten zubereitet. Hier können Gäste auch den exklusiven Chef’s Tabel buchen, der inmitten des Küchengeschehens steht und den Gästen den direkten Blick auf die Köche und deren Handfertigkeit ermöglicht. Mittendrin statt nur dabei!
Das Konzept der „Cucina della Mamma“ erklärt sich fast schon von selbst – es basiert auf der rustikalen italienischen Landküche. Hier wird Pasta im Stile einer echten Trattoria in puristischen Keramikgeschirr auf Holztischen serviert. Auf der Weinkarte stehen erlesene italienische Tropfen. Und wem die Weine besonders gut schmecken, der kann sie in der angrenzenden Enoteca erwerben, ebenso wie Schinken, Öl und Gebäck.

Im Mittelpunkt der kulinarischen Weltreise steht aber das Gourmetrestaurant „La Mer“. Hier stehen Fischgerichte ebenso auf der Speisekarte wie ausgewählte Gourmet-Spezialitäten. Erstklassig, innovativ, vielfältig – diese Attribute zollt Direktor Frank Nagel dem Premiumrestaurant, das 25 Plätze ausweist und von einem jungen Küchenteam bekocht wird. Mit dem 33-jährigen Sebastian Zier hat ein „Junger Wilder“ die Verantwortung, sein Ziel ist klar definiert: Für ihn soll Sylt zum Sprungbrett werden in den Olymp der Sterneköche. Daran lässt sein Direktor keinen Zweifel. Erstklassige Unterstützung gewährt Christian Hümbs, der als Chef-Pâtissier ebenfalls auf Sterne-Niveau unterwegs ist.
Küche, Service und Ausstattung lassen erahnen, dass der Griff nach den Sternen nur eine Frage der Zeit ist. Schade nur, dass sich die maritime Lage dem Gast optisch nicht erschließt. „La Mer“ liegt nur einen Steinwurf vom Meer, dazwischen aber befindet sich eine Düne als perfekter Sichtschutz. Dies wird dem Stern nicht im Wege stehen, aber etwas mehr Atmosphäre würde dem Gourmet-Restaurant gut tun; bei einem überzeugenderem Raumkonzept wäre es möglich gewesen, hier eine insgesamt bessere Lösung zu finden. Einen wunderbaren Meerblick bietet etwa der großzügige Ruheraum; hier verbringt der Gast die Zeit meist dösend und kümmert sich nicht um die schöne Aussicht. Schade drum.
Aber das ist Kritik auf hohem Niveau, viel zu mäkeln gibt es nicht im „Grand Spa Resort A-Rosa“. Bereits wenige Wochen nach Eröffnung liegt die Grundauslastung bei stolzen 70 Prozent, in den Sommermonaten ist das Haus praktisch ausgebucht. Auch hat die rund 200-köpfige Crew die ersten Tage mit Vollbelegung bereits mit Bravour überstanden. Eine Grundauslastung von 80 Prozent ist für das Management realistisch, bis in spätestens zwei Jahren will man soweit sein. Die einzige Eröffnung eines Fünf-Sterne-Superior-Hotels in diesem Jahr stellt hohe Ansprüche. Wer aber hätte Zweifel daran, dass die ehrgeizigen Ziele auch erreicht werden?
Arnulf Hettrich

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